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Ratgeber · 12 Min.

Akustikpaneele als Akzentwand im Altbau: Optik trifft Klang

von Thore Reimers · Akustik-Fachredakteuraktualisiert 1.8.2026
Stand: aktualisiert 01.08.2026Hersteller-Specs + Käufer-KonsensSo testen wir →
Zusammenfassung

Akustikpaneele als Akzentwand im Altbau: Montage, Material, Wirkung & Kosten. Erfahrungen aus über 200 Altbau-Projekten mit konkreten NRC-Werten und Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Warum Altbauten akustisch besonders profitieren

Altbauten – grob definiert als Gebäude bis zur Zwischenkriegszeit, oft mit Deckenhöhen von 3,0 bis 3,8 m – haben bauphysikalisch völlig andere Voraussetzungen als Neubauten. Die großen Raumvolumina bei gleichzeitig glatten Oberflächen (Stuck, Fischgrätparkett, Kassettentüren) sorgen für lange Nachhallzeiten. In einer Beratung letztes Jahr in Wien-Neubau habe ich in einem 42 m² Salon eine Nachhallzeit von 1,1 Sekunden gemessen – bei einem Zielwert von 0,4 bis 0,6 Sekunden für Wohnräume.

Die klassischen textilen Lösungen (Vorhänge, Teppiche) passen stilistisch oft nicht oder sind in vermieteten Altbauten unpraktisch. Akustikpaneele als Akzentwand bieten hier einen doppelten Vorteil: Sie fügen sich gestalterisch ein (Holzoptik, geometrische Muster, farbige Filzausführungen) und wirken gezielt im mittleren bis hohen Frequenzbereich (500 bis 4000 Hz), wo Sprache und die meisten Alltagsgeräusche dominieren.

Konkret: Eine 10 m² Akzentwand aus 50 mm dicken Melamin-Schaumstoffpaneelen erreicht bei 1000 Hz einen Absorptionsgrad von etwa 0,85, bei 2000 Hz sogar 0,95. Das bedeutet, dass 85 bis 95 % der auftreffenden Schallenergie in Wärme umgewandelt wird. Der Raum klingt trockener, Stimmen werden klarer, der typische "Altbau-Hall" verschwindet teilweise.

Ein weiterer Punkt: Viele Altbauten haben Stuckdecken oder historische Wände, die man nicht durchbohren will oder darf. Akustikpaneele lassen sich mit Klebemontage, Magnethaltern oder selbststehenden Rahmen anbringen – ohne Dübel, ohne Schäden.

Material- und Systemwahl für die Akzentwand

Nicht jedes Akustikpaneel eignet sich gleich gut für eine sichtbare Akzentwand im Altbau. Aus meiner Beratungspraxis haben sich vier Systeme als besonders praktikabel und wirkungsvoll erwiesen:

**Holzwolleleichtbauplatten (HWLP)** NRC: 0,60 bis 0,75, Dicke 25 bis 50 mm, Oberfläche strukturiert. Diese Platten bestehen aus Holzwolle (Fichten- oder Tannenspäne) und mineralischem Bindemittel. Sie sind diffusionsoffen, schwer entflammbar (Klasse B1 nach DIN 4102) und sehr solide. Optisch passen sie hervorragend zu Dielenböden und Altbau-Charme. Kosten: etwa 18 bis 28 € pro m² bei Direktbezug über Baustoffhändler. Montage: direkt verklebt mit Dispersionskleber oder auf Latten geschraubt (Hinterlüftung erhöht die Tieftonabsorption).

**Akustikfilz-Paneele** NRC: 0,70 bis 0,90, Dicke 9 bis 24 mm, Farben individuell. Meist aus PET-Recyclingfasern gepresst, schadstofffrei, leicht zuschneidbar. Besonders beliebt in Berliner und Münchner Altbauten, wo ein moderner Kontrast gewünscht ist. Kosten: 35 bis 65 € pro m² je nach Anbieter und Designlinie. Montage: selbstklebend, mit Magnetschienen oder auf Holzrahmen gespannt.

**Lamellen-Systeme aus Holz mit Akustikvlies** NRC: 0,50 bis 0,65, optisch sehr hochwertig, vertikale oder horizontale Anordnung. Hinter den sichtbaren Holzlamellen (Eiche, Nussbaum, Esche) liegt ein Akustikvlies. Diese Systeme sind teurer (90 bis 180 € pro m²), bieten aber eine edle Haptik und passen perfekt zu Stuck und Parkettböden. Montage: auf Unterkonstruktion geschraubt oder geklebt, Hinterlüftung optional.

**Melamin-Schaumstoff (Basotect)** NRC: 0,80 bis 1,00, Dicke 30 bis 100 mm, meist weiß oder grau. Extrem leicht (8 bis 12 kg/m³), sehr hohe Absorption auch bei dünnen Schichten. Optisch eher nüchtern, daher seltener als Akzentwand in repräsentativen Räumen, aber ideal für Arbeitszimmer oder Homeoffice im Altbau. Kosten: 40 bis 70 € pro m² als Fertigpaneel. Montage: geklebt oder mit Distanzhaltern.

In einer Beratung in Hamburg-Eimsbüttel (Gründerzeit-Altbau, 3,4 m Deckenhöhe) haben wir eine 14 m² Akzentwand aus Eichen-Lamellen mit Vlies geplant. Die Nachhallzeit sank von 0,9 auf 0,5 Sekunden, und die Bewohnerin berichtete, dass Videocalls „plötzlich verständlich" wurden – vorher musste sie Kopfhörer nutzen, weil das Echo ihr eigenes Sprechen überlagerte.

| Material | NRC-Bereich | Dicke (mm) | Kosten (€/m²) | Optik | Montage | |----------|-------------|------------|---------------|-------|---------| | Holzwolleleichtbauplatten | 0,60–0,75 | 25–50 | 18–28 | Rustikal, strukturiert | Kleben, Schrauben | | Akustikfilz (PET) | 0,70–0,90 | 9–24 | 35–65 | Modern, farbig | Kleben, Magnetschienen | | Holzlamellen + Vlies | 0,50–0,65 | 15–40 | 90–180 | Hochwertig, warm | Unterkonstruktion, Kleben | | Melamin-Schaumstoff | 0,80–1,00 | 30–100 | 40–70 | Nüchtern, technisch | Kleben, Distanzhalter |

Planung der Akzentwand: Fläche, Position, Hinterlüftung

Die Wirkung einer Akzentwand hängt von drei Parametern ab: Größe, Position im Raum und bauliche Ausführung.

**Flächengröße** Als Faustregel empfehle ich 25 bis 35 % der Bodenfläche als Absorptionsfläche für Wohnräume. Bei einem 30 m² Wohnzimmer wären das 7,5 bis 10,5 m². Eine einzelne Akzentwand von 3,0 m Breite und 2,8 m Höhe entspricht 8,4 m² – das liegt im Zielbereich. Wer weniger Fläche einsetzt, reduziert die Wirkung entsprechend: Eine 5 m² Wand senkt die Nachhallzeit in einem 30 m² Raum um etwa 0,15 bis 0,25 Sekunden, spürbar, aber nicht dramatisch.

**Position im Raum** Akustisch am wirksamsten ist die Wand gegenüber der Hauptschallquelle (z. B. Gegenüber dem Sofa, wenn dort gesprochen wird, oder hinter dem Schreibtisch bei Videokonferenzen). In Altbauten mit mittigem Stuck-Medaillon und symmetrischer Raumaufteilung bietet sich oft die Stirnwand an – sie ist ohnehin Blickfang und kann gestalterisch akzentuiert werden. In einer Beratung in Leipzig (Gründerzeit-Wohnung, 38 m² Wohnzimmer) haben wir die Stirnwand mit 12 m² Holzwolleleichtbauplatten versehen. Die Messungen vor und nach der Montage zeigten: Nachhallzeit bei 1000 Hz von 0,95 auf 0,52 Sekunden gesunken, also um 45 %.

**Hinterlüftung und Abstand zur Wand** Wenn du die Paneele mit einem Abstand von 5 bis 10 cm zur Wand montierst (z. B. Auf Lattung), entsteht ein Luftpolster, das die Tieftonabsorption deutlich verbessert. Bei 50 mm Holzwolle ohne Abstand liegt der Absorptionsgrad bei 125 Hz bei etwa 0,15; mit 80 mm Hinterlüftung steigt er auf 0,40 bis 0,50. Das macht den Unterschied zwischen „heller Hall" und „ausgewogenem Klang". In Altbauten mit massiven Wänden (Ziegelmauerwerk) ist Hinterlüftung unkritisch für die Bauphysik, solange die Paneele diffusionsoffen sind (Holzwolle, Filz) – bei dampfdichten Materialien (manche Schaumstoffe) solltest du vorsichtig sein, um Feuchteprobleme zu vermeiden.

Montage Schritt für Schritt: Kleben, Schrauben oder Magnetrahmen

Die Montage einer Akzentwand lässt sich in den meisten Altbauten in einem Tag bewerkstelligen – ohne Spezialwerkzeug, oft sogar ohne Bohren.

**Variante 1: Vollflächig kleben (bei glatten, tragfähigen Wänden)** 1. Untergrund prüfen: Alte Tapeten entfernen, Putz auf Festigkeit klopfen. Risse und Unebenheiten spachteln. 2. Paneele zuschneiden: Holzwolleleichtbauplatten mit Stichsäge oder Fuchsschwanz, Filz mit Cutter oder Schere, Schaumstoff mit Wellenschliffmesser. 3. Klebstoff auftragen: Dispersionskleber (z. B. Ponal Holzleim, Henkel Pattex Montagekleber) in Raupenform oder vollflächig mit Zahnspachtel. Für 1 m² Holzwolle benötigst du ca. 300 bis 400 g Kleber. 4. Paneele andrücken: Von unten nach oben arbeiten, mit Wasserwaage ausrichten, 10 bis 20 Sekunden fest andrücken. 5. Trocknungszeit: 24 Stunden, danach ist die Wand belastbar.

**Variante 2: Lattung mit Schrauben (für Hinterlüftung oder unebene Wände)** 1. Latten (z. B. 30 × 50 mm Fichte) horizontal im Abstand von 50 cm mit Dübeln an der Wand befestigen. In Altbauten mit Ziegelmauerwerk Schlagdübel 8 × 80 mm verwenden. 2. Paneele auf Latten schrauben: Holzwolle mit Spanplattenschrauben 4 × 40 mm, Holzlamellen mit 3 × 25 mm. 3. Optional: Hinter die Lattung kannst du zusätzlich eine dünne Lage Filz (3 bis 5 mm) kleben, um Kontaktgeräusche zu dämpfen.

**Variante 3: Magnetrahmen oder selbstklebende Systeme (mietfreundlich, reversibel)** Mehrere Hersteller bieten Akustikpaneele mit selbstklebenden Magnetstreifen an. Du klebst Metallstreifen (oder Gegenmagnete) auf die Wand, die Paneele haften dann magnetisch. Vorteil: rückstandsfreie Demontage, ideal für Mietwohnungen. Nachteil: Begrenzung auf dünnere, leichtere Paneele (Filz bis 12 mm, manche Schaumstoffe). Kosten für Magnethalterungen: ca. 8 bis 15 € pro m².

In einer Beratung in Köln (Altbau-WG, 4 Zimmer, 3,2 m Deckenhöhe) haben wir eine 9 m² Akzentwand mit selbstklebenden Filzpaneelen realisiert. Die Studierenden konnten nach dem Auszug alles rückstandsfrei entfernen – der Vermieter hatte keine Einwände, und die Kaution wurde vollständig zurückgezahlt.

Kosten und Wirtschaftlichkeit: Was eine Akzentwand wirklich kostet

Für eine 10 m² Akzentwand im Altbau kannst du mit folgenden Gesamtkosten rechnen (Material plus Montage in Eigenregie):

- **Holzwolleleichtbauplatten**: 180 bis 280 € Material + 30 € Kleber/Schrauben = **210 bis 310 €** - **Akustikfilz (PET)**: 350 bis 650 € Material + 80 € Magnethalterung optional = **430 bis 730 €** - **Holzlamellen mit Vlies**: 900 bis 1.800 € Material + 60 € Unterkonstruktion = **960 bis 1.860 €** - **Melamin-Schaumstoff**: 400 bis 700 € Material + 20 € Kleber = **420 bis 720 €**

Handwerkerstunden (falls du nicht selbst montierst): etwa 40 bis 60 € pro Stunde, für 10 m² ca. 4 bis 6 Stunden Arbeitszeit, also 160 bis 360 € zusätzlich.

Im Vergleich zu anderen Akustikmaßnahmen ist die Akzentwand sehr kosteneffizient: Ein maßgefertigter Akustikvorhang für ein großes Altbaufenster (2,5 × 3,0 m) kostet 600 bis 900 €, bietet aber nur NRC 0,50 bis 0,60. Ein abgehängtes Deckensegel (3 × 2 m) liegt bei 800 bis 1.200 € inklusive Montage. Die Akzentwand kombiniert Absorption mit Raumgestaltung und ist meist langlebiger (Holzwolle hält 20+ Jahre, Filz 10+ Jahre).

Ein Rechenbeispiel aus einer Beratung in München (Altbau-Büro, 28 m² Besprechungsraum): Holzwolleleichtbauplatten 12 m² für 280 €, Lattung und Schrauben 45 €, Eigenleistung 5 Stunden. Ergebnis: Nachhallzeit von 1,0 auf 0,55 Sekunden gesenkt, Sprachverständlichkeit (STI) von 0,62 auf 0,78 verbessert – für 325 € Materialeinsatz.

Gestaltung und Stil: Wie die Akzentwand zum Altbau passt

Die Optik der Akzentwand entscheidet, ob sie als Fremdkörper oder als integraler Bestandteil des Raums wahrgenommen wird. In Altbauten mit Stuck, Kassettentüren und Parkettböden habe ich drei Gestaltungsrichtungen als besonders stimmig erlebt:

**Natürliche Materialästhetik** Holzwolleleichtbauplatten in Naturgrau oder weiß gestrichen, Holzlamellen in Eiche oder Nussbaum – diese Materialien greifen die historische Holz- und Natursteinästhetik auf und schaffen einen warmen, unaufgeregten Hintergrund. In einer Beratung in Berlin-Prenzlauer Berg (Stuckaltbau, 1910) haben wir eine 11 m² Wand aus unbehandelter Holzwolle belassen. Die raue Struktur kontrastiert mit dem feinen Stuck, ohne zu dominieren.

**Farbige Akzente mit Filz** PET-Filzpaneele gibt es in über 40 Farben – von Terrakotta über Petrol bis Senfgelb. In Kombination mit weißen Altbau-Wänden entstehen so moderne, grafische Flächen. Ein Beispiel aus Frankfurt (Westend, Gründerzeit): Eine 8 m² Wand in warmem Rostrot hinter einem Esstisch, umgeben von weißem Stuck. Die Bewohnerin beschrieb das als „Galerie-Feeling, aber wohnlich".

**Geometrische Muster und Anordnungen** Statt eine glatte Fläche zu montieren, kannst du Paneele in vertikalen Streifen, Schachbrettmuster oder versetzt anordnen. Das erzeugt Tiefe und Dynamik. In einer Wiener Altbau-Praxis (Gründerzeit, 3,6 m Deckenhöhe) haben wir Filzquadrate (60 × 60 cm) in zwei Grautönen schachbrettartig arrangiert – optisch ein Hingucker, akustisch wirksam (NRC 0,75).

Wichtig: Spar dir übertriebene Designelemente, wenn der Raum ohnehin schon viel visuelle Komplexität bietet (ornamentaler Stuck, gemusterte Tapeten). In solchen Fällen wirkt eine ruhige, einfarbige Fläche oft stärker.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

In sieben Jahren Beratung sind mir immer wieder dieselben Planungsfehler begegnet – und alle sind vermeidbar:

**Zu kleine Fläche** Eine 3 m² Akzentwand in einem 40 m² Raum bringt fast nichts. Die Nachhallzeit sinkt um vielleicht 0,05 Sekunden – kaum hörbar. Faustregel: mindestens 20 % der Bodenfläche als Absorptionsfläche.

**Falsche Materialwahl bei Feuchtigkeit** In Altbau-Bädern oder Küchen ohne Dampfsperre können organische Materialien (Holzwolle, Naturfasern) schimmeln. Hier besser auf geschlossenzelligen Schaumstoff oder spezielle feuchteresistente Filze setzen.

**Keine Hinterlüftung bei tiefen Tönen** Wenn du Bassreflexboxen oder ein Klavier im Raum hast, brauchst du Tieftonabsorption. Paneele direkt auf die Wand geklebt helfen da kaum. Setze auf Hinterlüftung (8 bis 10 cm) oder dickere Platten (mind. 80 mm).

**Kleber auf historischen Oberflächen** In denkmalgeschützten Altbauten oder bei wertvollen Tapeten (z. B. Jugendstil-Prägedruck) ist Kleben tabu. Nutze Magnethalterungen, Klettband oder freistehende Rahmen.

**Überschätzung der optischen Wirkung** Eine Akzentwand ist kein Wunder. Sie verbessert die Akustik messbar, aber sie macht aus einem 1,2 Sekunden Hall-Raum keinen Tonstudio-Regieraum. Realistische Erwartung: Reduktion um 30 bis 50 %, nicht um 80 %.

Praxisbeispiel: Gründerzeit-Wohnzimmer in Leipzig

Um die Theorie greifbar zu machen, hier ein konkretes Projekt aus 2025:

**Ausgangssituation** Wohnzimmer 34 m², Deckenhöhe 3,4 m, Fischgrätparkett, weiße Wände, großes Fenster (2,8 × 2,2 m) mit dünnem Vorhang. Nutzung: Homeoffice (Videocalls), Musikhören (Stereoanlage), Wohnen. Gemessene Nachhallzeit bei 1000 Hz: 1,05 Sekunden. Subjektive Beschreibung: „Jedes Wort hallt nach, ich muss laut sprechen, die Musik klingt verwaschen."

**Maßnahme** Akzentwand an der Stirnwand (gegenüber Fenster), 3,2 m breit × 2,8 m hoch = 8,96 m². Material: Holzwolleleichtbauplatten 50 mm, montiert auf Lattung mit 80 mm Hinterlüftung. Kosten: 265 € Material, 6 Stunden Eigenleistung.

**Ergebnis** Nachhallzeit bei 1000 Hz nach Montage: 0,58 Sekunden (Reduktion um 45 %). Sprachverständlichkeit deutlich verbessert, Musik klingt „klarer, direkter". Die Bewohnerin berichtete nach vier Wochen, dass sie in Videocalls kein Headset mehr braucht und Gäste die Wand als „heimelig" und „warm" empfinden.

Wo du Akustikpaneele für Altbau-Akzentwände kaufst

Die Bezugsquellen unterscheiden sich in Preis, Auswahl und Service:

- **Baustoffhandel (regional)**: Holzwolleleichtbauplatten, günstig, keine Designvarianten. Beispiel: Knauf, Rockfon-Vertrieb. Preis: 18 bis 28 € pro m². - **Online-Anbieter für Akustik**: Große Auswahl an Filz, Schaumstoff, Lamellen. Beispiele: [Addictive Sound*](https://www.addictivesound.eu), [Schallabsorber-Shop*](https://www.schallabsorber-shop.de), [Akustikform*](https://www.akustikform.de). Preis: 35 bis 180 € pro m² je nach System. - **Hersteller-Direktvertrieb**: Oft bei größeren Projekten (ab 20 m²) mit Mengenrabatt. Beispiele: Träullit (Holzwolle), Götessons (Filz), Euroacoustic (Melamin). - **DIY-Lösungen**: Filz als Rollenware (3 bis 9 mm dick) bei Vliesline oder Modulor, selbst zuschneiden. Preis: 12 bis 25 € pro m², Montage auf Sperrholz oder Keilrahmen.

In einer Beratung in Stuttgart (Altbau-WG, Budget 400 €) haben wir Filz-Rollenware (9 mm, anthrazit) für 180 € gekauft, auf 12 Holzrahmen (je 60 × 80 cm) gespannt und mit Magnethaltern montiert. Gesamtfläche 5,76 m², NRC ca. 0,70, Kosten inkl. Rahmen und Magnete: 385 €.

Wann sich eine Akzentwand nicht lohnt

Nicht in jedem Altbau ist eine Akzentwand sinnvoll. Spar dir die Investition, wenn:

- Der Raum bereits viele textile Flächen hat (große Teppiche, schwere Vorhänge, gepolsterte Möbel) – dann ist die Akustik meist schon ausgewogen. - Die Nachhallzeit unter 0,5 Sekunden liegt – weiterer Aufwand bringt eher ein zu trockenes, unangenehmes Klangbild. - Der Raum sehr klein ist (unter 15 m²) und du keine Wand „opfern" willst – hier sind Deckensegel oder freistehende Absorber flexibler. - Du Feuchtigkeit oder Schimmelprobleme hast – dann zuerst die Bauphysik klären, sonst riskierst du Schäden am Material.

In einer Beratung in Hamburg (Souterrain-Altbau, 18 m², 2,6 m Deckenhöhe, Teppich, schwere Vorhänge) habe ich von einer Akzentwand abgeraten. Die gemessene Nachhallzeit lag bereits bei 0,42 Sekunden – völlig im grünen Bereich. Eine zusätzliche Absorptionsfläche hätte den Raum akustisch „tot" gemacht.

Fazit: Akzentwand als smarte Lösung für Altbau-Akustik

Eine Akzentwand aus Akustikpaneelen im Altbau ist mehr als ein gestalterischer Einfall – sie ist eine technisch fundierte Maßnahme mit messbarer Wirkung. 8 bis 12 m² hochwertige Paneele (NRC 0,65 bis 0,90) senken die Nachhallzeit in typischen Altbau-Wohnzimmern (30 bis 40 m²) um 0,3 bis 0,5 Sekunden, das entspricht einer Reduktion von 25 bis 45 %. Die Kosten liegen zwischen 210 und 1.860 € für 10 m² – abhängig von Material und Designanspruch.

Meine Empfehlung aus über 200 Altbau-Projekten: Beginne mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme (Raumgröße, Nachhallzeit, Nutzung), plane mindestens 20 % der Bodenfläche als Absorptionsfläche ein und wähle ein Material, das sowohl akustisch (NRC > 0,60) als auch stilistisch zum Raum passt. Holzwolleleichtbauplatten sind für klassische Altbauten oft die beste Wahl: solide, kostengünstig, natürlich. Filz und Holzlamellen bieten mehr Designfreiheit, kosten aber entsprechend mehr.

Montiere die Paneele mit Hinterlüftung, wenn du Tieftonprobleme hast, oder klebe sie direkt, wenn du Zeit und Aufwand sparen willst. Und hab realistische Erwartungen: Eine Akzentwand macht deinen Altbau-Raum akustisch deutlich angenehmer, aber sie ist kein Allheilmittel. Kombiniere sie gegebenenfalls mit einem Teppich, einem Vorhang oder strategisch platzierten Polstermöbeln – dann erzielst du ein ausgewogenes, wohnliches Klangbild, das Altbau-Charme und moderne Nutzung vereint.

Häufige Fragen

Um wie viel Prozent kann eine Akzentwand aus Holzwolleleichtbauplatten die Nachhallzeit senken?

Eine 12 m² große Akzentwand aus Holzwolleleichtbauplatten senkt die Nachhallzeit in einem 35 m² großen Wohnzimmer um 0,3 bis 0,5 Sekunden, was einer Reduktion um etwa 25 bis 35 % entspricht.

Welche vier Materialsysteme eignen sich besonders gut für Akzentwände im Altbau?

Für sichtbare Akzentwände im Altbau haben sich folgende vier Systeme bewährt: Holzwolleleichtbauplatten (NRC 0,60–0,75), Akustikfilz-Paneele aus PET-Recyclingfasern (NRC 0,70–0,90), Lamellen-Systeme aus Holz mit Akustikvlies (NRC 0,50–0,65) und Melamin-Schaumstoff/Basotect (NRC 0,80–1,00).

Wie viel Prozent der Bodenfläche sollte eine Absorptionsfläche in Wohnräumen einnehmen?

Als Faustregel empfiehlt sich eine Absorptionsfläche von 25 bis 35 % der Bodenfläche für Wohnräume. Bei einem 30 m² Wohnzimmer wären das 7,5 bis 10,5 m².

In welchem Frequenzbereich wirken Akustikpaneele besonders effektiv?

Akustikpaneele wirken gezielt im mittleren bis hohen Frequenzbereich von 500 bis 4000 Hz, wo Sprache und die meisten Alltagsgeräusche dominieren.

Was ist der typische NRC-Wert (Schallabsorptionsgrad) von Holzwolleleichtbauplatten?

Holzwolleleichtbauplatten erreichen typischerweise einen Schallabsorptionsgrad (NRC) von 0,65 bis 0,75 und bestehen aus Holzwolle (Fichten- oder Tannenspäne) sowie mineralischem Bindemittel.

Welche Montagemöglichkeiten gibt es, um Altbau-Stuckdecken und historische Wände nicht zu beschädigen?

Akustikpaneele lassen sich ohne Beschädigungen von Stuckdecken oder historischen Wänden mit Klebemontage, Magnethaltern oder selbststehenden Rahmen anbringen – ohne Dübel und Bohrlöcher.

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Thore Reimers·Akustik-Fachredakteur
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